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Oberstleutnant

AndréWüstner,

Bundesvorsitzender

Zur Sache

1

Die Bundeswehr

September 2015

D

ie August-Ausgabe unseres Magazins

widmete sich dem Flüchtlingsdrama im

Mittelmeer und dem dortigen Einsatz

unserer Marine. Schon vor meinem Besuch bei

unseren Soldatinnen und Soldaten bei EU NAV-

FORMED in diesemSommer war uns imDBwV

klar, was für eine menschlich dramatische, aber

auch sicherheitspolitische Herausforderung auf

Deutschland und Europa buchstäblich zurollt.

Die Geschehnisse im Mittelmeer oder auf den

Flüchtlingsrouten über den Balkan, das „Stran-

den“ von Flüchtlingen auf deutschen Autobah-

nen und Bahnhöfen machen es immer schwerer,

die gewaltige Migrationsbewegung kleinzure-

den oder gar zu ignorieren.

Hunderttausende Menschen fliehen zu

uns. Kommunen, Länder und Bund sehen sich

mit einer gigantischen organisatorischen Auf-

gabe konfrontiert – und damit alle Menschen

in unserem Land. Schon jetzt packen viele

Bürgerinnen und Bürger in ihren Gemeinden

beherzt mit an, umMenschen in Not zu helfen,

darunter sehr viele DBwV-Mitglieder. Klar

muss sein: Diese Hilfsbereitschaft wird bald

noch viel mehr gefordert sein. Und es wird

noch umweit mehr gehen. Es müssenAntwor-

ten auf viele Fragen gefunden werden. Wie

etwa integrieren wir die vielen Flüchtlinge in

unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft?

Müssen unsere geltenden Zuwanderungsrege-

lungen überdacht und angepasst werden?

Auch die Bundeswehr hilft angesichts der

aktuellen Not mit der kurzfristigen Bereitstel-

lung von Unterkünften oder dem Aufbau von

Zeltstädten. Bittere Ironie: Jetzt rächen sich

die jahrelange Vernachlässigung der Infra-

struktur der Bundeswehr und die ausgebliebe-

ne Neubeschaffung von verschiedenen Zeltty-

pen. Vielleicht ist es ausgerechnet die wach-

Auch das ist Sicherheitspolitik!

sende Notlage, die Bürokratiefesseln sprengt

und Prozesse beschleunigt – beispielsweise in

den Baubehörden der Länder.

Die sicherheitspolitische Dimension der

laufenden Migrationsbewegungen haben wir

auch imLichte desWeißbuchprozesses zuletzt

anlässlich unseres Maritimen Kolloquiums in

Rostock thematisiert. Dieses gehört in die lan-

ge Reihe der sicherheitspolitischen Diskurse,

die in vielen Orten des Landes unter Beteili-

gung des DBwV laufen und ganz sicher mit

der Veröffentlichung des Weißbuchs 2016

nicht beendet sind. Im Gegenteil: Das Weiß-

buch – hoffentlich durch das Kabinett

beschlossen – wird ein nützliches Instrument

sein, um landesweit für unterschiedliche The-

menfelder Interesse zuwecken und schließlich

auch mehr Verständnis für die Notwendigkeit

„nicht kostenloser“ sicherheitspolitischer

Instrumente zu erzeugen. Umfragen zeigen,

dass die Flüchtlingskrise und die auslösenden

Konflikte unsere Gesellschaft zunehmend

aufhorchen lassen. Immer mehr Menschen

verstehen zudem, dass die internationale Ver-

antwortung Deutschlands nicht nur aus dem –

oft ebenfalls notwendigen – Einsatz von

Militär besteht.

✶✶✶✶✶

Für den DBwV als Berufsverband steht der

Mensch in jeder Hinsicht im Mittelpunkt.

Dabei geht es um die individuellen Forderun-

gen seiner Mitglieder, aber auch um deren

grundsätzliche Interessen. Die Bundeswehr

und ihre Menschen sind abhängig von einer

festen Verankerung in der Gesellschaft und

einer zuverlässigen und nachvollziehbaren

sicherheitspolitischen Verortung. Das haben

wir in unserer Kampagne „Schlagkräftige

Bundeswehr 2020“ sehr deutlich gemacht. In

deren Sinne werden wir uns auch zukünftig

aktiv oder manchmal auch provokant einmi-

schen. Zumeinen geschieht das auf politischer

oder medialer Ebene, zum anderen über die

vielen Veranstaltungen unserer Stiftungen,

teilweise imVerbundmit anderenOrganisatio-

nen, stets eng gekoppelt mit unserer Basisor-

ganisation, meist auch in enger Zusammenar-

beit beispielsweise mit regionalen Verantwor-

tungsträgern. Es ist genau dieser übergreifen-

de und vielfältigeAnsatz, der uns von anderen

Organisationen unterscheidet. Gepaart mit

unserer Glaubwürdigkeit, unserer Kompetenz

und dem richtigen politischen Fingerspitzen-

gefühl macht uns das so erfolgreich für unsere

Mitglieder.

Auch in dieser Ausgabe des Verbandsma-

gazins spiegelt sich das vielfältigeAgieren des

DBwV wieder. Der Schwerpunkt liegt in die-

sem Monat in der Würdigung der 25 Jahre

deutscher Wiedervereinigung und der Armee

der Einheit. Denn bei aller Dynamik des tägli-

chen Lebens – wir wissen um unsere histori-

schen Wurzeln.

Mit kameradschaftlichen und

kollegialen Grüßen