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Historisches Kalenderblatt

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wurde der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik

vollzogen.

Das vereinte Deutschland und die drei West-

mächte ratifizierten zügig den Zwei-plus-vier-

Vertrag. In Moskau ließ man sich dagegen Zeit.

Schließlich ratifizierte der Oberste Sowjet nach

kontroverser Debatte am 4. März 1991 das

Abkommen. Die Ratifikationsurkunde übergab

Botschafter Terechow am 15. März 1991 an

Außenminister Genscher, erst dadurch trat der

Vertrag in Kraft.

Nach der Auflösung der Sowjetunion über-

nahm Russland die Pflichten der ehemaligen

UdSSR aus den Verträgen mit Deutschland. Als

im August und September 1994 die letzten alli-

ierten Truppen Berlin verließen, war die Nach-

kriegszeit unwiderruflich zu Ende.

Quelle: AA

N

ach dem Fall der Berliner Mauer am 9.

November 1989 war die deutsche Ein-

heit greifbar nahe, führte jedoch außen-

politisch einzig über die Zustimmung der Sieger-

mächte des Zweiten Weltkriegs. Die inneren

Aspekte der Vereinigung waren eineAngelegen-

heit zwischen der Bundesregierung und der frei

gewählten DDR-Regierung. Am 31. August

1990 wurde der Vertrag über die Herstellung der

Einheit Deutschlands unterzeichnet. Kompli-

zierter war aber die außenpolitische Komponen-

te des Vereinigungsprozesses. In den „Zwei-

plus-vier-Gesprächen“ berieten die Außenmin-

ister der Sowjetunion, der USA, Frankreichs und

Großbritanniens mit ihren zwei deutschen Kolle-

gen das Verfahren und die Konsequenzen des

Zusammenschlusses der beiden Staaten: Sollte

sich die Nato-Zugehörigkeit der Bundesrepublik

auch auf das Gebiet des vereinten Deutschland

erstrecken? Wie wäre dies mit der Anwesenheit

sowjetischerTruppen auf demBoden der ehema-

ligen DDR zu vereinbaren? Unter welchen

Bedingungen würde die UdSSR ihre Truppen

aus der DDR abziehen?

Bei einem Treffen im Kaukasus mit Bundes-

kanzler Helmut Kohl erklärte Kremlchef Michail

Gorbatschow sein Einverständnis zur deutschen

Einheit.

Der Vertrag über die abschließende

Regelung inBezug auf Deutschlandwurde von

den Außenministern der Zwei-plus-vier-Staa-

ten am 12. September 1990 in Moskau unter-

zeichnet.

Am 1. Oktober 1990 verzichteten die

vier Mächte in einer gemeinsamen Erklärung in

NewYork auf ihre Rechte undVerantwortlichkei-

ten inBezug auf Deutschland, wodurch dieses sei-

ne volle Souveränität erhielt. Drei Tage darauf

Foto: dpa

Die Bundeswehr

September 2015

Der Zwei-plus-vier-Vertrag

wird unterzeichnet

Am 12. September 1990 wurde in

Moskau das vereinte Deutschland als

„gleichberechtigtes und souveränes

Glied in einem vereinigten Europa“

anerkannt. Es unterzeichneten die

Außenminister der vier Siegermächte

des Zweiten Weltkriegs: James Baker

(USA), Douglas Hurd (Großbritannien),

Eduard Schewardnadse (UdSSR) und

Roland Dumas (Frankreich), v.l.n.r.

A

uf Einladung der sowjetischen Regierung reiste Konrad Adenauer am

8. September 1955 nach Moskau – der erste Staatsbesuch eines west-

deutschen Regierungschefs in der UdSSR. Das Ergebnis der schwie-

rigen Verhandlungen war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwi-

schen den beiden Staaten. Die sowjetische Staats- und Parteiführung unter

Nikolai Bulganin und Nikita Chruschtschow stimmte im Gegenzug der Frei-

lassung der letzten rund 10 000 deutschen Kriegsgefangenen zu. In der Frage

einer möglichen Wiederherstellung der deutschen Einheit kam Adenauer in

Moskau dagegen nicht voran. Im Gegenteil: Einige Tage später reiste DDR-

Ministerpräsident Otto Grotewohl nach Moskau und erreichte dort, dass die

Sowjetunion die DDR zu einem „souveränen Staat“ erklärte. Damit war die

Wiedervereinigung sehr viel schwieriger geworden.

Konrad Adenauer (vorn, M.) mit Nikolai Bulganin (l.) und Niki-

ta Chruschtschow während seiner Moskaureise 1955

Foto: dpa

Adenauer besucht

die Sowjetunion