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Die Bundeswehr

September 2015

Viel Platz für große Geschichten

im „Sommerloch“

wir wurden, was wir sind“ steht über dem ersten

Teil. Auch den Heeresoffizier

André Wüstner

,

mittlerweile Oberstleutnant und Bundesvorsit-

zender des DBwV, versteht man nach der Lektüre

noch ein bisschen besser.

Die Texte sind imNetz zu finden, die gesam-

te Serie erscheint imFrühjahr 2016 bei Rowolt in

Berlin als Buch.

✶✶✶✶✶

Ein Mann, der die Zeit nach demKrieg entschei-

dend mitgeprägt hat, ist tot: Der SPD-Politiker

anderen Zeitungsredakteur zum verschärften

Nachdenken zwingen, aber es bietet doch auch

Chancen. Für längere, gut recherchierte, zeitlose

Stücke beispielsweise. Der „Welt“ ist das in die-

sem Jahr ausgesprochen gut gelungen. In der

Serie „Acht deutsche Sommer“ erzählen Frauen

und Männer von Erlebnissen, die ihr Leben ver-

ändert haben. Der junge Mann zum Beispiel, der

1945 noch Soldat wird und seinen ersten Nach-

kriegssommer beschreibt. Die Frau, die im Ber-

lin der Nachwendezeit eine unbeschreibliche

Stimmung erlebt und im Sommer 1995 ihr eige-

nesTechno-Label gründet. Und auch der Heeres-

Offizier, der imSommer 2005 inAfghanistan die

ganze Grausamkeit des Kriegs erlebt, während

sich in der Heimat niemand wirklich dafür inte-

ressiert. Der beschreibt, wie es ist, sich trauma-

tischen Erlebnissen zu stellen.

Die Autoren der „Welt“ haben Geschichten

aufgeschrieben, die unter die Haut gehen. „Wie

Egon Bahr

, der „Architekt der deutschen Ostpo-

litik“, ist mit 93 Jahren gestorben. Bahr war seit

den 60er-Jahren politischer Berater und enger

Vertrauter des späteren Bundeskanzlers Willy

Brandt. SeinMotto „Wandel durchAnnäherung“

gab die Richtung der neuen Ostpolitik vor, deren

Ziel es war, die Mauer durchlässiger zu machen,

den Menschen in der DDR das Leben zu erleich-

tern, Spannungen zwischenOst undWest ab- und

Vertrauen aufzubauen. Egon Bahr, auch als Bun-

desminister für besondere Aufgaben und Bun-

desminister für wirtschaftliche Zusammenar-

beit, gilt daher als einer derWegbereiter der deut-

schen Einheit.

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Überraschend „befördert“ wurde mein Kollege

Yann Bombeke

: Der stellvertretende Chefre-

dakteur dieses Magazins sprach mit „Bild on-

line“ über Meldungen, nach denen die Vereinig-

ten Arabischen Emirate mit französischen

Leclerc-Panzern in den Jemen-Konflikt eingrei-

fen – und fand sich umgehend in der Berichter-

stattung wieder, von „Bild“-Kollegen geadelt als

„Panzer-Experte“. So schnell kann es manchmal

gehen …

Notizen aus der Hauptstadt

Jan Meyer,

Herausgeber

D

asKlima zwischenRussland und der Nato

kühlt deutlich ab. Anfang August wurde

das ganz konkret spürbar: Das russische

Außenministerium verweigerte

Brigadegene-

ral Gert Gawellek

das Visum. Der Offizier

konnte deshalb seinen neuen Job nicht antre-

ten: Er sollte Militärattaché an der deutschen

Botschaft in Moskau werden. Die diplomati-

sche Nickeligkeit war nach Medienberichten

wohl eine Retourkutsche: Offenbar hatte

Deutschland im Vorfeld einen russischen

Egon Bahr,

der „Archi-

tekt der

Ostpolitik“,

starb mit

93 Jahren.

Oberstleutnant André Wüstner imWald der Erinnerung in Potsdam. Auch seine Geschich-

te erzählt die Serie der „Welt“.

Militär zurückgewiesen. DieAngelegenheit ist

nicht nur ärgerlich für Gert Gawellek, sie scha-

det womöglich auch der Sache. Denn Gert

Gawellek, der als erster ehemaliger NVA-Offi-

zier zum General der Bundeswehr befördert

wurde, hat in seiner „erstenKarriere“ die Frun-

se-Militärakademie in Moskau besucht und

hätte vermutlich einen leichteren Zugang zum

Gastlandals anderegehabt.DasVerteidigungs-

ministerium muss nun gleich zwei Aufgaben

lösen: Zuerst wird ein neuerAttaché gebraucht

– und dann eine neueVerwendung für Brigade-

general Gawellek. Auf seinen alten Posten als

Kommandeur der Luftlandebrigade 31 in

Oldenburg kann er jedenfalls nicht: der Ver-

band wurde mittlerweile aufgelöst.“

✶✶✶✶✶

Das vielbeschworene Sommerloch, die the-

menarme Zeit während der Parlaments- und

Sommerferien, mag vielleicht den einen oder

Foto: dpa

Foto: Martin U.K. Lengemann