Hauptmann
Andreas Steinmetz
auf dem Podium
im Bundestag,
unter anderem mit
Hans-Peter Bartels
und Sabine Bastek
(von rechts)
Stabshauptmann a.D. Hartmut Schönmeyer referierte zu
den Erfahrungen mit der neuen Arbeitszeitregelung.
Die Arbeitsgruppe „Besondere Belastungen
der Marineangehörigen und ihrer Familien“
wurde durch Fregattenkapitän Marco Thiele
(l.) geleitet.
M
Mehr Transparenz in den Entscheidungen von
Parlament und Bundeswehrführung, eine stärkere
Vernetzung der Hilfsangebote, mehr Planungs-
sicherheit – so lauten die Forderungen an Politik
und Bundeswehr.Thema einer Podiumsdiskussion
im Deutschen Bundestag, zu der Hans-Peter Bar-
tels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags,
und dieMilitärseelsorge EndeNovember 2016 ein-
geladen hatten, war die Vereinbarkeit des Dienstes
in der Bundeswehr mit dem Familien- und Pri-
vatleben. Am Ende ging es dann aber weniger um
Eltern-Kind-Zimmer und mehr um übergreifende
Themen der Attraktivität des Dienstes.
Ein Jahr nach der ersten Veranstaltung dieser
Art diskutierten erneut Vertreter des Verteidi-
gungsministeriums, der zuständigen Ämter der
Bundeswehr, des Parlaments, der Wissenschaft,
erarbeiteten Vorschlägen, wie Parlament und Bun-
deswehrführung den Dienst erleichtern könnten,
gehören Planungssicherheit,
Auftragsklarheit,
mehr Handlungssicherheit durch verlässliche und
übergreifende Information sowie ehrliche Kom-
munikation in die Mannschaftsebene hinein.
Zudem wurde eine stärkere Vernetzung der Fa-
milienangehörigen sowie ihre Einbeziehung in
Vor- beziehungsweise Nachsorge und in die vor-
handenen Unterstützungsleistungen für Soldaten
gefordert. Auch müsse die besondere Belastung
von Kindern durch einsatzbedingte Abwesenhei-
ten eines Elternteils intensiver untersucht werden,
so unter anderem durch Forschung auf den Gebie-
ten einsatzbedingter Werteverschiebungen und
Scheidungen von Soldatenehen.
Mehr Vernetzung von Hilfsangeboten sei auch
imRahmen der Betreuung einsatzbelasteter Solda-
ten erforderlich. Auch wenn die Zahlen psychisch
besonders belasteter Soldaten abnehmen, würde
die Bundeswehr die Möglichkeiten zur Abmilde-
rung von Härten noch zu wenig nutzen. In puncto
alternativer Beschäftigungsmodelle sei eine stärke-
re Sensibilisierung insbesondere des Führungsper-
sonals notwendig, denn obwohl zahlreiche Mo-
delle zur Flexibilisierung des Dienstes existierten,
würden diese bisher nicht ausreichend umgesetzt.
Insbesondere für seefahrende Marineangehörigen
sei die Planbarkeit von Abwesenheiten für die Or-
ganisation des Familienlebens immens wichtig.
Darüber hinaus wurde ein Vorschlag für mehr
Flexibilität beim Ausgleich von Mehrarbeit im
Rahmen der Arbeitszeitverordnung erarbeitet: So
solle der Ausgleich zu einem Drittel durch Freizeit,
zu einemDrittel durchWahlrecht des Soldaten und
zu einem Drittel durch Wahlrecht der Dienststelle
erfolgen. In jedem Falle müssten zunächst kurzfris-
tige „Notventillösungen“ eingerichtet werden.
Hauptmann Steinmetz betonte in der abschlie-
ßenden Podiumsdiskussion, dass diese Art der Ver-
anstaltung von unschätzbarem Nut-
zen sei, umProblemfelder, Ansprüche
und Unterstützungsangebote trans-
parenter zu gestalten. Hans-Peter
Bartels kündigte bereits an, die Ver-
anstaltungsreihe imkommenden Jahr
in einem ähnlichen Kreis fortführen
zu wollen, „denn das Thema verlässt
uns nicht“.
CH
Die Soldaten und ihre Angehörigen
nicht aus den Augen verlieren
Podiumsdiskussion zur Vereinbarkeit von Familien- und Privatleben mit dem Dienst
mit Fachleuten des Verbands
Fotos: Hepner
der katholischen und evangelischen Militärseel-
sorge sowie von Interessenvertretungen den ak-
tuellen Stand der Vereinbarkeit von Familie und
Dienst. Der Deutsche BundeswehrVerband war
wieder mit seinen Fachleuten dabei, unter ande-
rem Hauptmann Andreas Steinmetz, stellvertre-
tender Bundesvorsitzender, Stabshauptmann a.D.
Hartmut Schönmeyer, Vorsitzender Fachbereich
Haushalt, Laufbahnrecht und Besoldung, Fregat-
tenkapitän Marco Thiele, Vorsitzender Marine,
sowie Hauptmann Petra Böhm, stellvertretende
Vorsitzende Sanitätsdienst.
In unterschiedlichen Arbeitsgruppen widme-
ten sich die Teilnehmer der bisherigen Wirkung
des Attraktivitätssteigerungsgesetzes, den Konse-
quenzen der neuen Arbeitszeitregelung sowie den
Facetten von Familien- und Privatleben in einer
Einsatz- und Pendlerarmee. Zentrale Botschaft
an die Politik war: Verlieren Sie die Soldaten und
ihre Angehörigen nicht aus den Augen! Zu den
DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017
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