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Dienstbekleidung und persönliche Ausstattung:

Es geht um mehr als nur um „Klamotten“

Vom Kampfstiefel bis zur Schutzweste: Die Bundeswehr tut sich schwer damit, den Frauen in

ihren Reihen die passende Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Damit beschäftigte sich am 8.

und 9. November die Arbeitsgruppe Soldatinnen des Deutschen BundeswehrVerbands.

„Mit Frauen über Klamotten diskutieren“, fasste

scherzend eine Teilnehmerin die aktuelle AG Sol-

datinnen zusammen. Schnell zeigte sich aber im

Rahmen der regen Diskussion, dass dieses Thema

elementare Auswirkungen auf die notwendigen

soldatischen Grundfertigkeiten von Soldatinnen

hat. Dies machte schon der Tagesordnungspunkt

„Persönliche Schutzausstattung“ deutlich. An der

zweitägigen Veranstaltung, die von Hauptmann

Petra Böhm, stellvertretende Vorsitzende Sani-

tätsdienst, geleitet wurde, nahmen in der Berliner

Bundesgeschäftsstelle rund 20 Soldatinnen teil.

Sie trugen die gravierendsten Mängel zu-

sammen: Ballistische Schutzwesten würden im

Grundbetrieb überwiegend nicht in den pas-

senden kleinen Größen bereitgestellt. Das be-

einträchtige Schutzwirkung und Kampfkraft

erheblich. Fahrten in Kfz oder verschiedene An-

schlagsarten mit der Waffe seien so beispielswei-

se nicht möglich. Weitere Beispiele für fehlende

kleine Größen sind ABC-Schutzausstattung,

hier vor allemHandschuhe und Überziehschuhe.

Aber auch Winterhandschuhe, Kampfstiefel und

unpassende Gefechtshelme wurde genannt. Die

Mängelliste geht weit über Dienstbekleidung und

Schutzausstattung hinaus, in vielen Einheiten

fehlen das Gewehr G36 mit verkürzten Schul-

terstützen und Pistolen P8 mit kleinerem Griff-

stück. Eine adäquate Vorbereitung von Einsätzen

sei deshalb erschwert oder nur mit erheblichen

zusätzlichen Anstrengungen möglich. Ziel müs-

se es sein, die in verschiedenen Einheiten derzeit

getestete weiterentwickelte Bekleidung und Aus-

rüstung rasch und flächendeckend einzuführen.

Nach der bereits im Jahr 2001 erfolgten Öff-

nung aller Verwendungen und Laufbahnen

der Bundeswehr für Frauen ist es heute nicht

mehr hinnehmbar, dass Soldatinnen in puncto

Schutzausstattung, Ausrüstung und Bekleidung

schlechtere Bedingungen vorfinden. Dies sei dem

Integrationsprozess und einer chancengerech-

ten Teilhabe für Soldatinnen nicht zuträglich,

schlimmstenfalls schlichtweg gefährlich und

spreche auch nicht für attraktive Dienstbedin-

gungen, so Hauptmann Böhm.

Ihre Kritik zur Ausstattung und Qualität der

Dienstbekleidung wurden die Teilnehmerinnen

an der richtigen Stelle los: Regierungsamtsrat

Enrico Schlegel vom Bundeswehr-Fachreferat für

komplexe Dienstleistungen trug über die Teilein-

heit „Team Bekleidung“ vor. Schlegel stellte unter

anderem den Sachstand „Zertifizierter Waren-

korb“ und das „Kampfschuhsystem Streitkräfte“

vor. Ziel sei hier, eine bessere Auswahlmöglich-

keit einzurichten, um auf physiologische Beson-

derheiten einzugehen, womit ab 2017 zu rechnen

sei.

Die Soldatinnen kritisierten, dass beim neuen

Kampfschuhsystem wieder nicht auf spezielle

anatomische Gegebenheiten der Soldatinnen

(Stiefelvarianten für Frauen) geachtet worden sei.

Allgemein sei der Größenschlüssel noch immer

aus den Siebzigerjahren und damit stark veraltet.

Die Folge: Vorhandene Größen werden aufgrund

der schlechten Passform von Soldatinnen kaum

genutzt. Schlegel entgegnete, eineNeuvermessung

für Männer und Frauen sei aktuell in Planung –

die Bereitstellung neuer Größen solle ab 2019

erfolgen. Eine Sonderbekleidung für schwangere

Soldatinnen solle bereits bis 2018 beschafft wer-

den. Der DBwV begrüßt dies ausdrücklich. Die

Teilnehmerinnen der Arbeitsgruppe regten dazu

an, auch bei zentraler Bereitstellung eine Wahl-

freiheit zu ermöglichen: Zivile Kleidung sollte

auf Wunsch der schwangeren Soldatin unter die-

sen Umständen weiterhin erlaubt sein.

Diskussionsstoff bot auch die neu aufgenom-

mene Bereitstellung von Ausstattung und Beklei-

dung wie etwa Sport-BH, Damenstrumpfhose

und Damenhandtaschen. Diese greift frühestens

2017, obwohl der Bekleidungszuschuss zwischen-

zeitlich gestoppt wurde – eine dringend erforder-

liche funktionierende Übergangsregelung gibt es

bis heute nicht.

Am Ende des ersten Sitzungstags waren sich

die Teilnehmer der AG Soldatinnen einig, dass

es um einiges mehr als nur um „Klamotten“

ging: Der DBwV führte eine konstruktive und

ergebnisorientierte Diskussion über die Qualität

und Abläufe der Bekleidung in der Bundeswehr,

wodurch viele neue Anregungen auf den Weg ge-

bracht wurden.

Am zweiten Sitzungstag fand ein konstruktiver

Austausch mit den Vertretern des Hauptperso-

nalrats beim BMVg und des Gesamtvertrauens-

personenausschusses statt. Gemeinsam wurde

am Leitantrag zumThema Chancengerechtigkeit

gearbeitet. Für das große Engagement aller Teil-

nehmer der AG bedankte sichHauptmann Böhm

ausdrücklich.

pb

Beschwerden und Anregungen

zum Thema Dienstbekleidung und

Ausstattung können von jedem an

Beschwerden@lhbw.de

geschickt

werden.

Zum dritten Mal tagte

die AG Soldatinnen in

Berlin. Dabei wurde

deutlich, dass die

Dienstbekleidung

für Frauen in der

Bundeswehr den

Ansprüchen noch weit

hinterherhinkt.

Fotos: Struntz

DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017

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