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Laut Befragung verfügt die Bundeswehr 2016 über
eine höhere Attraktivität als im Jahr 2013.
Allenfalls ein Etappensieg
Laut einer Studie ist die Bundeswehr attraktiver geworden.
Gut ist die Lage aber noch lange nicht.
Attraktiv ist das Amt des Verteidigungsministers
derzeit wohl nur bedingt: Die Vollendung der diver-
sen Trendwenden der Bundeswehr ist eine Mam-
mutaufgabe; Ursula vonder Leyenmuss korrigieren,
was ihre Vorgänger parteiübergreifend angerichtet
haben. Doch wie steht es umdie Attraktivität in der
Truppe? Wie bewerten die Zivilbeschäftigten ihre
Situation? Hat die Agenda Attraktivität einen spür-
baren Mehrwert?
Diesen Fragen ging eine Umfrage des Zentrums
für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften
der Bundeswehr (ZMSBw) in Potsdam nach. Die
Ergebnisse wurden Ende November 2016 der Öf-
fentlichkeit präsentiert und sind seitdem in aller
Munde. Mehrfach berief sich dieMinisterin darauf,
dass die Studie die Richtigkeit der Attraktivitäts-
maßnahmen belege. Aber stimmt das denn?
Die Ergebnisse im Überblick: Fast die Hälfte
der Befragten glaubt, die Agenda könne die Bun-
deswehr attraktiver machen. Motivierter sind die
meisten Soldaten aber nicht. Das könnte daran
liegen, dass nur eine Minderheit bislang von den
Maßnahmen „am eigenen Leib“ profitiert: Im Falle
der untergesetzlichen Maßnahmen der Attraktivi-
tätsagenda sieht eine relative Mehrheit die Schwer-
punkte – Vereinbarkeit von Familie und Dienst,
moderne Unterkünfte,
Karrieremöglichkeiten
– gesetzt, aber bestenfalls elf Prozent spüren eine
Verbesserung der persönlichen Situation. Gleiches
gilt für das Artikelgesetz: Dessen Maßnahmen wer-
den zwar grundsätzlich als attraktivitätssteigernd
bewertet, einen positiven Effekt empfinden jedoch
nur die wenigsten.
Die Studie konstatiert: Die Bundeswehrangehö-
rigen messen dem Arbeitgeber Bundeswehr eine
„signifikant höhere“ Attraktivität zu als 2013. Das
ist richtig, jedoch punktet die Bundeswehr nach
wie vor insbesondere im ideellen Bereich und mit
gewissermaßen „militärtypischen“ Attributen: si-
cherer Arbeitsplatz, Umgang mitMenschen, Kame-
radschaft und spannende Tätigkeit. Dies ist nicht
unbedingt der Verdienst der Attraktivitätsagenda.
Bei der Kinderbetreuung und den Karrierechancen
schneidet die Bundeswehr – trotz Verbesserungen
– weiterhin sehr schlecht ab. Die Bewertung von
Diensträumen und Unterkünften hat sich sogar
verschlechtert. Hierin erkennen die Soldaten und
Zivilbeschäftigten dann auch folgerichtig die größ-
ten Schwächen der Bundeswehr in punkto Attrak-
tivität.
Dass dem Einfluss der Ausrüstungs- und Materi-
allage auf die Attraktivität überhaupt nicht nachge-
gangen wird, ist mehr als schade. Bei den vielen Ge-
sprächen vonDBwV-Mandatsträgern in der Truppe
wird nämlich immer wieder deutlich, wie sehr At-
traktivität mit der Ausrüstung verbunden wird.
Ist mit dieser Studie also bewiesen, dass die Bun-
deswehr attraktiver geworden ist? Relativ gesehen,
ja. Befriedigend oder gut ist die Lage aber noch lan-
ge nicht. Wie auch schon aus der Bundeswehrfüh-
rung deutlich gemacht wird: Die Studie zeigt, dass
wir auf dem richtigen Weg sind, die Ergebnisse er-
Foto: action press
Dienstzufriedenheit im Zeitvergleich
Wenn Sie an Ihren Dienst bei der Bundeswehr denken: Wie beurteilen Sie die folgenden Punkte? Inwieweit trifft es zu, dass ...
0
0,25
0,5
… Ihr Arbeitsplatz sicher ist und Sie
nicht arbeitslos werden?
… Sie eine herausfordernde und interes-
sante Tätigkeit ausüben können?
… es Kameradschaft und Teamwork
gibt?
… Sie nur selten länger als
41 Stunden in der Woche arbei-
ten müssen?
2016
2013 Veränderung
2016
2013 Veränderung
2016
2013 Veränderung
2016
2013 Veränderung
0,607
0,482
0,125
0,365
0,254
0,111
0,263
0,176
0,087
0,200
-0,076
0,276
0,1
0
0,1
… Sie sich mit den Zielen der Bundes-
wehr identifizieren können?
… sich die Diensträume in einem guten
Zustand befinden?
… sich die Liegenschaft/Kaserne in ei-
nem guten baulichen Zustand befindet?
2016
2013 Veränderung
2016
2013 Veränderung
2016
2013 Veränderung
0,110
-0,033
0,143
0,086
0,080
-0,012
-0,105
-0,088 -0,017
Datenbasis: ZMSBw –
Personalbefragung 2016,
Befragung zur Attraktivität
der Bundeswehr 2013.
mutigen, beherzt und stringent weiter an Attrakti-
vitätssteigerungsmaßnahmen zu arbeiten. Die rich-
tige Perspektive macht die neue Personalstrategie
auf. Dann wird es auch gelingen, dass mehr als nur
36 Prozent der Befragten Freunden und Bekann-
ten empfehlen werden, bei der Bundeswehr einzu-
treten. Der DBwV wird dieses Ziel mit aller Kraft
weiter verfolgen.
Für den Deutschen BundeswehrVerband steht
fest: Es bedarf, erstens, einer Beschleunigung der
guten Aspekte der laufenden Attraktivitätsagenda,
die zu einer spürbaren Verbesserung in der Truppe
führen. Zweitens, braucht es inder nächstenLegisla-
turperiode eine Agenda 2.0 in Verbindung mit den
guten Ansätzen der Personalstrategie. Ohne diese
Maßnahmen wird das, was der DBwV fordert und
Frau vonder Leyenbis 2020 erreichenwill, nicht Re-
alität: eine voll einsatzbereite, schlagkräftige Bun-
deswehr. Die Studie finden Sie im internen Bereich
der DBwV-Homepage.
OK
DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017
B E R U F S Z U F R I E D E N H E I T 29




