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Die Bundeswehr geht ihre
Personalprobleme an
Ministerin von der Leyen stellt Strategie vor – Verband wird Umsetzung begleiten
Die Personalstrategie der Bundeswehr – im De-
zember ist sie durch die Bundesministerin der
Verteidigung veröffentlicht worden. Mit ihr wird
unterstrichen, vor welchen großen Herausforde-
rungen die Personalgewinnung und -bindung der
Bundeswehr steht und wie diese bewältigt werden
können. Wie im Weißbuch bereits avisiert, ist sie
das „zentrale themen- und fachübergreifende Steu-
erungsdokument für die grundsätzliche Ausrich-
tung und Schwerpunktsetzung eines modernen
und zukunftsfähigen Personalmanagements der
Bundeswehr“.
Der zuständige DBwV-Fachbereichsvorsitzen-
de Stabshauptmann a.D. Hartmut Schönmeyer
begrüßt die Strategie: „Das sind alles richtig for-
mulierte Ziele, allerdings ist es wie so oft: In der
Umsetzung zeigen sich die wahren Meister. Des-
wegen wird der DBwV diese wie gewohnt konst-
ruktiv, aber auch kritisch begleiten und aufpassen,
dass das Bestandspersonal nicht erneut auf der
Strecke bleibt.“ So lehne der DBwV eine pauscha-
le Erhöhung des Eintrittsalters in den Ruhestand
weiterhin ab. Gleichzeitig stellte er klar, dass viele
DBwV-Überlegungen Eingang in die Personalstra-
tegie gefunden hätten. Denn vorgedacht werde im
Verband ohnehin –wie beispielsweise im seit gerau-
mer Zeit laufenden Workshop-Prozess zur Weiter-
entwicklung von Laufbahn, Besoldung und Versor-
gung. BMVg, Kommandos, aber auch das BMI sind
in diesen übrigens selbstverständlich eingebunden.
Bereits im Mai 2014 hatte der Verband mit dem
Start seiner Kampagne „Schlagkräftige Bundes-
wehr 2020“ klargemacht, worum sich alle Anstren-
gungen drehen müssen: die Wiederherstellung der
vollen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Seit-
dem ist einiges passiert: Nato-Gipfel, Weißbuch,
Ankündigung von Trendwenden. Die Personal-
strategie ist ein logischer Folgeschritt. Allerdings
werden die Pläne nur dann ertragreich sein können,
wenn sie von allen verstanden, umgesetzt und nach-
haltig finanziert werden. Sämtliche Ressorts der
Bundesregierung stehen in der Pflicht, denn es geht
nicht nur um eine schlagkräftige Bundeswehr, son-
dern auch um die grundsätzliche Handlungsfähig-
keit des Staates. So mancher sieht deswegen in der
nächsten Bundestagswahl eine „Schicksalswahl“
für die Bundeswehr. Auf die nächste Bundesregie-
rung kommt es also an.
Die Bundeswehr identifiziert sich mit der Per-
sonalstrategie als größter öffentlicher Arbeitgeber,
dessen Wettbewerbsfähigkeit dem Einfluss viel-
schichtiger und komplexer Faktoren unterliegt.
Die demografische Entwicklung, gesellschaftlicher
Wandel, die sogenannte Bildungsexpansion oder
auch technologische Weiterentwicklungen sind
wesentliche Faktoren, denen sich die Bundeswehr
stellen muss.
Auch interne Faktoren werden benannt. Die
Erschließung bereits vorhandener personeller Po-
tenziale der Bundeswehr wird durch einen starren
und unflexiblen Personalkörper bisher erschwert.
Der Mangel liegt darin, dass die Bundeswehr über
„kein strategisch zivil-militärisch harmonisiertes,
gemeinsam nutzbares Instrument zur … Personal-
bedarfsplanung“ verfügt. Viele personelle Schätze
der Bundeswehr bleiben so ungehoben.
In fünf Stoßrichtungen soll das gesteckte Ziel
erreicht werden. Die Personalstrategie sieht erstens
vor, den „Personalbedarf systematisch und strate-
gisch zu planen“, zweitens sollen Potenziale besser
erschlossen, „die Personalgewinnung zielgruppen-
gerechter“ ausgebaut werden. Drittens ist Absicht,
individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und Kar-
riereperspektiven zu verbessern sowie Leistungsbe-
reitschaft und Leistungsfähigkeit zu fördern, vier-
tens ein modernes Arbeitsumfeld
zu gestalten und Bindungsanreize
zu erweitern. Fünftens ist schließ-
lich das Ziel, nahtlose Übergänge
zu ermöglichen.
Hinter allen Stoßrichtungen
verbergen sich Ideen und Konzep-
te, die zeigen, dass weit über die
Grenzen dessen zu denken, planen
und zu handeln ist, was seit Jahr-
zehnten meist als richtig, erfolg-
reich und zuverlässig empfunden
wurde. Um den anstehenden Her-
ausforderungen gerecht zu werden,
bedarf es des Blicks über den Tel-
lerrand und der Bereitschaft, auch
Bewährtes kritisch zu betrachten
und gegebenenfalls neu zu gestal-
ten. Die Ministerin hat in ihrem
Tagesbefehl zur Personalstrategie
deswegen sehr deutlich gemacht,
dass diese neue Daueraufgabe nur
gelöst werden kann, wenn alle
Angehörigen der Bundeswehr die
Strategie verstehen, unterstützen
und umsetzen.
fvk
Die wichtigste Herausforderung für die Bundeswehr: Personal
Foto: dpa/picture alliance
DIE BUNDESWEHR JANUAR 2017
P E R S O N A L S T R A T E G I E
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