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Clubraum/Bewirtschaftung/Bistro
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Psychosoziales
Netzwerk
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Freizeit
FBZ
Balkon
Bücherei
Flex-
Arbeits-
welten
LHD-Shop
➞
Fitness
Sauna/Umkleide
diese Kraft das Pferd verlassen, ehe das Gebäude
fertig ist.“
An der Führung vorbei zum Truppenpsychologen
Die Betreuungssituation kann in jedem Fall nicht
so bleiben, wie sie sich aktuell in Kiel darstellt.
Der Kasernenkommandant berichtet von einem
stark dislozierten, teilweise veralteten oder nicht
vorschriftenkonform ausgestatteten Angebot. So
sei das Wirtschaftsgebäude mit der Truppenkü-
che für die rund 2800 Soldaten des Stützpunkts
fußläufig knapp 1,3 Kilometer entfernt. Das Be-
treuungsbüro liege relativ zentral im Stützpunkt,
das Familienbetreuungszentrum allerdings au-
ßerhalb der Liegenschaft. Das psychosoziale
Netzwerk sei ebenfalls disloziert und so ungüns-
tig in der Einsatzflottille untergebracht, dass je-
der, der zum Truppenpsychologen wolle, an der
Führung vorbeigehen müsse.
Der Fitnessbereich sei mit teil-
aktuellen Geräten ausgestattet,
die aber statt der jetzigen 180
Quadratmeter eine Stellfläche
von 450 Quadratmetern benöti-
gen würden. Die Sauna sei gerade
wieder gesperrt, weil sie instand
gesetzt werden müsse. Hinzu
komme eine veraltete Kegelbahn
sowie Außensportbereiche. Ent-
sprechende Räumlichkeiten zur
Umsetzung des betrieblichen Ge-
sundheitsmanagements fehlten
derzeit.
Immerhin besteht eine kleine
Chance, dass der Baubeginn des
neuen Marktplatzgebäudes auf
Anfang 2018 vorgezogen wird. Für
den Marinestützpunkt Kiel-Tir-
pitzhafen wäre das ein großer
Schritt in Richtung zeitgemäßer
Betreuung auf hohemNiveau.
CH
Ideenskizze des Marktplatzgebäudes Kiel
Erdgeschoss
vor Ort sind. Letzteres schleust hier pro Woche
etwa 80 Interessenten durch, die die Truppe ken-
nenlernen möchten und dann natürlich jedes Mal
auch das Marktplatzgebäude mitnutzen würden“,
so Schultheis weiter. Als es um die Vergabe des
Projekts ging, hob der damalige Standortälteste,
Fregattenkapitän Michael Eichhorn, nach Zu-
stimmung aller Personalvertretungen am Stand-
ort die Hand und sagte: „Ja, wir wollen das und
wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu
stellen.“
Um die Idee voranzutreiben, wurden zunächst
in Zusammenarbeit mit der Universität der Bun-
deswehr Hamburg Umfragen durchgeführt, um
zu erfahren, was sich die Soldaten an Betreuungs-
optionen am Standort wünschen. Anschließend
erarbeiteten Arbeitsgruppen Vorschläge, wie die
jeweiligen Anteile, also Betreuung, Bewirtschaf-
tung, Fitness, psychosoziales Netzwerk, in einem
gemeinsamen Gebäude untergebracht werden
könnten. Die dem Verteidigungsministerium vor-
gelegten Vorschläge wurden für gut befunden und
auch die Abteilung Führung Streitkräfte brachte
intensiv Ideen ein. 2014 konnte man in die Aus-
planung des Pilotprojekts gehen – und stellte fest,
dass eine schnelle Umsetzung leider nicht Teil der
Abmachung war.
Zu träge für ein Pilotprojekt
Der Baubeginn ist für Oktober 2020 geplant, bei
einer Bauzeit von drei Jahren. Schultheis: „Sehen
Sie es mir nach, aber ich glaube nicht, dass dieses
Pilotprojekt, wenn es dann nach bisheriger Pla-
nung 2023 fertiggestellt ist, tatsächlich noch viel
Pilotwirkung hat.“ Nach den Gründen für die
späte Umsetzung der Pläne gefragt, antwortet der
Kasernenkommandant: „Weil wir noch viele alte
Mauern in nicht ganz jungen Köpfen zu durch-
brechen hatten, um dieses Pilotprojekt zu veran-
kern. Die Infrastruktur ist sehr träge. Für das, was
wir vorhaben, zu träge.“
„Die Idee ist da, aber sie ist noch nicht bei jedem
angekommen“, bedauert der Fregattenkapitän. Sei
es das Verpflegungsamt, das sage: „Das können
Betreuungsbüro in
Kiel: Mit dem
geplanten Pilotpro-
jekt soll den Soldaten
zukünftig mehr
geboten werden.
Anstelle des jetzigen
Betreuungsheims
soll hier ab 2020 das
neue Marktplatzge-
bäude entstehen.
wir so nicht machen, das steht in den Vorschrif-
ten anders drin“, sei es das mitprüfende Finanz-
ministerium, das einwende: „Das erscheint in der
Raumflächennorm gar nicht, das können wir doch
gar nicht ausplanen. Dafür haben wir wesentlich
weniger Raum vorgesehen. Warum wollen Sie das
denn so?“ Immer und überall müssen dicke Bret-
ter gebohrt, Bedarfe begründet, nicht zielführen-
de Vorschriften umschifft werden. „Wir wollen
etwas Neues ins Leben rufen, halten uns aber an
alten Vorschriften fest. Das ist unglücklich“, fasst
Schultheis zusammen.
Er befürchtet zudem, dass die Gesamtkosten
letztendlich deutlich höher sein werden, da die
Teuerungsraten nicht berücksichtigt wurden, die
pro Jahr bei rund acht Prozent liegen. „Da wird
so manch einer irgendwann sagen: ,Das ist nicht
wirtschaftlich.’ Auch wenn die Agenda ,Aktiv. At-
traktiv. Anders.’ jetzt noch ein Zugpferd ist, wird
1. Obergeschoss
DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017
T I T E L : B E T R E U U N G 17




