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Foto: dpa/picture alliance
Hauptfeldwebel Thomas Furkert ist im Hauptper-
sonalrat BMVg für Betreuung zuständig.
Betreuungsbüros in der Warteschleife
VonThomas Furkert
Der Start ließ sich gut an: Dank der Initiative von
Ministerin Ursula von der Leyen nahm unter an-
derem das Kapitel „Betreuung“ ordentlich Fahrt
auf. Derzeit müssen wir jedoch feststellen, dass
der Schwung offensichtlich erlahmt.
Im Jahr 2015 startete das Pilotprojekt für die
Betreuungsbüros. Nach anfänglichen Finanzie-
rungsproblemen ging es los – und endete mit
einem Ergebnis, das niemanden überraschen
konnte: Betreuung wird in der Truppe nicht nur
angenommen, sondern erhöht auch die Berufszu-
friedenheit.
Das Jahr 2015 ging vorüber und viele Soldaten,
gerade die Kasernenfeldwebel, dachten: „Jetzt
wird alles umgesetzt.“ Denn das Pilotprojekt hat-
te die notwendigen Zutaten für einen guten Be-
treuungscocktail aufgezeigt: Man nehme etwas
Geld, höchstens 15 000 Euro pro Betreuungsbüro
als Anschubfinanzierung, und füge noch einen
Schuss Personal hinzu.
Aber genau da scheint das Problem zu sein. Of-
fenbar ist kein Geld da und vor allem fehlt es an
Personal. Da fragt man sich: War das jetzt alles?
Wird man so der gestiegenen Erwartungshaltung
in der Truppe gerecht?
Derzeit läuft ein Interessenbekundungsverfah-
ren, das heißt im Klartext: Auf Wiedersehen im
Jahr 2020. Die Tatsache, dass man nach einem er-
folgreichen und im Ergebnis klaren Pilotprojekt
ein solches Verfahren benötigt, führt den Prozess
ad absurdum.
Betreuung in der Truppe ist ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität des Dienstes. Dazu gehören neben
Militärseelsorge und Familienbetreuungszentren aber auch Betreuungsbüros und Info-Punkte.
Betreuung steht und fällt
mit dem Personal: hier
Beratung von Familien-
angehörigen
rung der Betreuung übernehmen. Auf diese Wei-
se bekommen wir Professionalität und Motiva-
tion. Denn eines hat das Pilotprojekt gezeigt: Es
steht und fällt mit dem Personal.
Ganz nebenbei könnten wir damit den Posten
„Betreuungsfeldwebel im Einsatz“ mit bestens
ausgebildetem Personal besetzen und müssten
dies nicht immer nur mit Soldaten in Zweitfunk-
tion tun.
Überhaupt stellt sich die Frage, ob die umfas-
sende Betreuung in einer Zweitfunktion sinnvoll
ist. Denn schon die Bezeichnung „Zweitfunkti-
on“ deutet an, dass man Aufgaben nicht vollstän-
dig erledigen kann. Die Betreuungsarbeit ist je-
doch zeitintensiv. Das Betreuungspersonal muss
Netzwerke innerhalb und außerhalb der Truppe
aufbauen und pflegen. Es könnte auch das Be-
treuungsportal pflegen sowie den Aufbau und
den Betrieb der Info-Punkte sicherstellen.
Falls Sie sich jetzt fragen: „Den Info… was?“
Genau den, der eigentlich seit dem 31. Dezember
2015 an jedem Standort beziehungsweise in jeder
Liegenschaft der Bundeswehr vorhanden sein
soll. Aber mit der Vorgabe der Ministerin, diese
Anlaufstellen einzurichten, ohne dass zusätzlich
Personal, Infrastruktur und Geldmittel bewilligt
werden, ist der Info-Punkt eine Luftnummer. An
dieser Stelle sei jedoch erwähnt: Es gibt einige
Standortälteste und Kasernenkommandanten,
die den Info-Punkt tatsächlich eingerichtet ha-
ben. Also wie immer – die gute alte Truppenlö-
sung. Ein Hoch auf den Vorgesetzten, der noch
etwas Personal entbehren kann.
Fazit: Solche Truppenlösungen können nicht
der Maßstab sein. Betreuung muss Geld kosten
dürfen und es muss Personal dafür abgestellt wer-
den.
Es ist an der Zeit, dass die Ministerin zeigt,
dass sie es imBereich Betreuung ernst meint. Hier
eröffnen sich auch für die Streitkräfte neue Chan-
cen. Was spricht etwa gegen eine neue Fachlauf-
bahn? Nehmen wir beispielsweise das Berufsbild
des Eventmanagers – eine ideale Voraussetzung
für diese Tätigkeit. Denkbar wäre, eine Ausbil-
dung bis zum Masterabschluss anzubieten. Dann
wären alle Laufbahngruppen in der Bundeswehr
abgebildet.
Also: Warum wollen wir nicht die Stabsabtei-
lung 9 (S9) wiederbeleben, die eigentlich für den
Verteidigungsfall vorgesehen war? Sie könnte als
ständige organisatorische Einheit die Koordinie-
Foto: ddp Images
DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017
T I T E L : B E T R E U U N G
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