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Beklagenswerte Kommunikation
Während ihrer Auslandseinsätze sind die Solda-
ten nicht nur von ihren Angehörigen getrennt,
sie führen darüber hinaus oft ein Leben unter
Umständen, die sich die meisten Deutschen nicht
mehr vorstellen können. Gefahr für Leib und Le-
ben, Dienst rund um die Uhr, harte klimatische
Bedingungen, spartanische Unterkünfte, fehlen-
de Privatsphäre und oft schlechte Verbindungen
zur Heimat sind nur einige Aspekte, die Einsätze
prägen.
Die Hauptleute Torsten Patzak und Michael
Scholz sowie Hauptfeldwebel Andreas Kellner
haben als Ansprechpartner des Deutschen Bundes-
wehrVerbands in Auslandseinsätzen ganz persönli-
che und höchst unterschiedliche Eindrücke gewon-
nen. In Sachen Betreuung berichtet Patzak nach
seinem kürzlich beendeten Kfor-Einsatz von wenig
genutztenMarketender-Angeboten, da die Einrich-
tungen anderer Nationen und das Onlineshopping
wesentlich attraktivere und preisgünstigere Mög-
lichkeiten böten. Während Kellner die Marketen-
derversorgung im irakischen Erbil als ausreichende
Minimallösung bezeichnet, stellt Scholz fest, dass
es in Darfur kein derartiges Angebot gebe und äu-
ßert angesichts der Handvoll deutscher Soldaten
auch Verständnis dafür.
„Verpflegungsmäßig kann man im Kosovo
nicht klagen“, weißHauptmann Patzak zu berich-
ten. Scholz erinnert sich an die Selbstversorgung
in Afrika nebst den beliebten „Fresspaketen“, die
mit der Feldpost aus Deutschland kamen. Mona-
telang genoss Hauptfeldwebel Kellner amerikani-
sche Einsatzverpflegung, „mit der man aber gut
leben kann“.
Hauptmann
Michael Scholz
mit Offizieren aus
Ruanda in Darfur
Hauptmann Torsten Patzak diente zuletzt im Kosovo.
Hauptfeldwebel Andreas Kellner war
in Erbil im Einsatz.
ihnen auf Antrag weitgehend vom Dienstherrn
erstattet. Seit August stehen zwei dienstlich ge-
lieferte mobile Satellitenanlagen zur Verfügung,
Anbieter ist nun der einzige Vertragspartner der
Bundeswehr. Scholz verzeichnete unter anderem
ein langsameres Internet und keine dauerhaft si-
chere Verbindung: „Die Soldaten greifen deshalb
nach wie vor auf lokale Anbieter und die Verein-
ten Nationen zurück.“ Der Dienstherr erstattete
nach Angaben des Hauptmanns die Kosten dafür
noch bis Jahresende.
Im Irak trat der Wechsel zum neuen Anbieter
im September in Kraft. Auch Hauptfeldwebel
Kellner sieht darin eine negative Entwicklung.
Nun stehen den Nutzern nur noch eine Premi-
um-Stunde mit garantierter Verbindungsrate und
zwei weitere mit Standartverbindung im Lager-
bereich zu. Telefonie funktioniert nur über eine
Extra-App. „Das ist alles zu umständlich, sehr
anfällig und sicherheitsmäßig fraglich“, meint
Kellner. Die Soldaten weichen nach seinen An-
gaben nun auf eigene Kosten zu einheimischen
Anbietern aus, statt die kostenlose Verbindung
zu nutzen.
Die Erfahrungen der drei Soldaten zeigen,
dass – nach ihrer Auffassung – „die derzeitige
Lösung nicht zeitgemäß ist“. Sie stellen sich die
Frage, ob kleine lokale Unternehmen in Krisen-
und Kriegsgebieten den Soldaten nicht ein bes-
seres Netz bieten könnten als ein europäisches
Großunternehmen. Patzak, Scholz und Kellner
sind sich deshalb einig, dass der Dienstherr – wie
vor Juli 2016 – an das jeweilige Einsatzland an-
gepasste Lösungen suchen sollte. Sie sind sich si-
cher, dass dies nicht zuletzt für den Steuerzahler
insgesamt günstiger wäre. Die Bundeswehr lasse
sich allerdings bei den Kosten nicht in die Karten
sehen. Klar ist aber eins: Zur Attraktivitätssteige-
rung im personellen Bereich tragen die beschrie-
benen Realitäten nicht bei.
Johann Fritsch
Ansprechpartner des BundeswehrVerbands berichten über Betreuung im Einsatz
Große Probleme sehen die drei Berufssoldaten
vor allem in der Kommunikation mit der Hei-
mat. „Bis Ende Juni 2016 hatten wir über einen
kosovarischen Provider eine Flatrate rund um
die Uhr“, erläutert Patzak. „Seit aber im Juli ein
großes Unternehmen aus dem luftfahrttechni-
schen Bereich Vertragspartner der Bundeswehr
wurde, funktioniert der Mobilfunk nicht mehr
landesweit, die Bandreite und das für die Solda-
ten zur Verfügung stehende Zeitfenster wurden
reduziert. Für mich stellt dies eine deutliche Ver-
schlechterung dar.“
Hauptmann Scholz und seine Kameraden
haben sich in Afrika mit Internet und Telefon
zunächst auf die Vereinten Nationen oder ein lo-
kales Netz abgestützt. Die Kosten dafür wurden
Fotos: privat
DIE BUNDESWEHR | JANUAR 2017
T I T E L : B E T R E U U N G
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